Bezirksorganisation Mistelbach

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Geisterspiele ruinieren die Sportvereine

Nach der Verordnung von LH Mikl-Leitner, wonach Sportveranstaltungen nur noch ohne Publikum stattfinden dürfen, sobald ein Bezirk auf der Corona-Ampel auf Orange rutscht, sorgt bei den Sportvereinen im Bezirk Mistelbach für Unmut. Vereinsobleute sprechen von einer Katastrophe und fordern die Landeshauptfrau auf, diese Verordnung sofort zurückzunehmen.

Unterstützt werden sie in dieser Forderung von NR a.D. und SPÖ-Bezirksvorsitzender Melanie Erasim: „Es kann nicht sein, dass Outdoor-Sportveranstaltungen schlechter gestellt werden, als Indoor-Kulturveranstaltungen. Zumal Experten sagen, dass es Außen weniger gefährlich ist als Innen. Wir gehen in den Supermarkt Wurstsemmeln kaufen, warum soll das in der Sportkantine nicht funktionieren, wenn entsprechend Abstand gehalten wird? Hier unterschätzt die Landespolitik den gesellschaftlichen Faktor – die Sportveranstaltungen gehen den Menschen einfach ab.“

Der Mistelbacher Vizebürgermeister Manfred Reiskopf, 26 Jahre lang Obmann des FC Mistelbach, ist ein Kenner der Szene: „Ich war immer der Meinung, dass Politik nichts im Sport verloren hat, daher müssen wir für die Rechte aller Vereine kämpfen. Die Bedenken, dass an der Winzerbar (in Mistelbach) oder an der Kantine ein erhöhtes Infektionsrisiko bestehen soll, teile ich nicht.“ Reiskopf vertraue darauf, dass Menschen vernünftig handeln und erweitert den Kreis der Betroffenen: „Neben dem Sport leiden auch Zulieferer und die gesamte lokale Wirtschaft unter solchen Verboten. Wenn wir an dem, was in NÖ nun Regel sein soll nichts ändern, werden viele Vereine ruiniert. Und Top-Spieler überlegen sich, ob sie den Sport noch weiter ausüben sollen, wenn man ihnen das Spielen vermiest. Dann bricht das gesellschaftliche Leben zusammen.“

Melanie Erasim hat weitere Bedenken: „Wenn es nur noch in jeder 5. Gemeinde einen Sportverein gibt, dann gibt es auch keinen niederschwelligen Zugang mehr, weil man immer wohin fahren muss und Sport plötzlich sehr Zeit- und Geld-intensiv wird.“

Für die kleineren Vereine spricht der Obmann des ESV Rabensburg, André Erasim: „Die Vereine haben alle Richtlinien mit viel Aufwand verwirklicht, das hat auch Geld gekostet. Plexiglas, Desinfektionsmittel usw. wurden angeschafft - und dann plötzlich sagt die Landeshauptfrau, dass Zuschauer bei Orange nicht mehr erlaubt sind. Andererseits gibt es aber keine klare Regeln, wie man z.B. bei einem offenen Sportplatz (ohne Einzäunung) handeln soll? Wenn ich da Zuschauer verhindern will, brauche ich 150 Ordner – wer soll die bezahlen? Es gibt keine Verordnung, die hier klare Regeln aufstellt. Und wenige Meter weiter, im Nachbarbezirk, darf man Zuseher haben, weil dieser Bezirk nicht auf Orange steht. Das ist absurd, als ob sich ein Virus an eine Bezirksgrenze halten würde.“

Im Bezirk Mistelbach sind von dieser „Geisterspiel-Verordnung“ pro Woche rund 25 bis 30 Spiele betroffen – wobei derzeit viele auch abgesagt werden, da es ohne Publikum keine Stimmung gibt, die Einnahmen fehlen und die Vereine auf den Fixkosten sitzen bleiben würde. Denn die Eintrittskarten und die Einnahmen der Kantine sind wichtige wirtschaftliche Faktoren bei den Sportvereinen. „Und nicht zu vergessen haften wir Vereinsobleute mit unserem Privatvermögen für Schulden, die unsere Vereine anhäufen würden“, betont René Erasim.

Daher hat die SPÖ-NÖ vorgeschlagen, den Vereinen pro Spiel ohne Publikum 1.500 Euro „Geisterspiel-Entschädigung“ zu zahlen, wenn die Verordnung des Landes nicht zurückgenommen wird. „Das ist für kleinere Vereine sicher eine gute Idee, wird aber den großen Vereinen nicht wirklich helfen“, weist Manfred Reiskopf auf die verschieden hohen Kosten der einzelnen Vereine hin – und betont, alle Sportvereine damit zu meinen, nicht nur den Fußball. „Hier braucht es noch eine weitere Förderung“, so Reiskopf.

Zumal nicht nur die unmittelbaren Einnahmen wegfallen, sondern auch Sponsorengelder. „Wenn wir nicht oder nur ohne Publikum spielen, zahlt uns niemand mehr für die Bandenwerbung“, führt der Obmann des ESV Rabensburg, André Erasim weitere Problempunkte an und befürchtet, dass viele Vereine das Saisonende im November nicht mehr erleben werden.

Lösungsvorschlag der Sportprofis: Je nach Größe des Fußballplatzes bzw. der Stadien könnte man 100 Stehplätze und 250 zugewiesene Sitzplätze frei geben, das wäre dann eine ähnlich sichere Vorgehensweise, wie sie auch bei Kulturveranstaltungen vorgesehen ist. Dies würde den Vereinen das Überleben ermöglichen, wenn das Land, wie von der SPÖ vorgeschlagen, auch 45 Prozent der nachgewiesenen Fixkosten fördert.

 

Am Foto (SPÖ/Schingerling): ESV-Rabensburg-Obmann André Erasim, Bezirksvorsitzende Melanie Erasim, Mistelbachs Vizebgm. Manfred Reiskopf und Jugendleiter U15 Rabensburg Marco Erasim.