Bezirksorganisation Mistelbach

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Amazon: Erasim kritisiert Arbeitsbedingungen

Schon bei der Eröffnung des Amazon Verteilerzentrums in Großebersdorf zu Jahresbeginn hat die Weinviertler Nationalrätin und SPÖ-Bezirksvorsitzende von Mistelbach, Melanie Erasim, die Arbeitsbedingungen des Konzernes hinterfragt. Damals haben VP-nahe Wirtschaftskreise diese Bedenken als «linke Unkenrufe» die schädlich für Betriebsansiedlungen seien, abgetan. Nun, nachdem sich der Leiharbeiter Maarten N. in die Öffentlichkeit getraut und über die tatsächlichen Bedingungen bei Amazon berichtet hat, zeigt sich: NR Erasim hatte mit ihrer Forderung, dass man die Arbeitsbedingungen bei Amazon genau kontrollieren müsse, leider völlig recht.
«Wirklich leider, denn ich hätte mir von der Ansiedlung eines solchen Großunternehmens im Weinviertel einen Schub in Sachen qualitativ hochwertiger Arbeitsplätze und nicht einen Skandal um unfassbare Arbeitsbedingungen erhofft», sagt Erasim.
Zum Hintergrund: Amazon-Leiharbeiter Maarten N. hat sich Hilfe von der Gewerkschaft geholt. Er arbeitet seit sechs Monaten, wie die meisten seiner Kollegen, als Leiharbeiter im Amazon Verteilzentrum in Großebersdorf. Gemeinsam mit GPA DJP-Chefin Barbara Treiber erzählt der gebürtige Holländer in einem Pressegespräch von seinen persönlichen Erlebnissen im Lager des Onlineriesen, die in manchen Punkten mehr an ein chinesisches Arbeitslager als an einen Betrieb in Österreich erinnern.
„Am schlimmsten ist es, dass man Anfang der Woche nicht weiß, ob man am Ende noch einen Job hat“ schildert der Leiharbeiter. So seien laut Maarten N. Mitarbeiter unter Androhung von Personalreduktion ersucht worden, ihre Arbeitszeit zu reduzieren – bei gleichbleibender Arbeitsbelastung, versteht sich. Die Halle in der die Mitarbeiter arbeiten, sei, da Amazon räumliche Anpassungen vorgenommen hat, um mehr Pakete ausliefern zu können, sehr eng. Die Beschäftigten sollen durch einen Scanner, der als Arbeitsgerät benutzt wird, ständig überwacht werden, lauten weitere Vorwürfe des Leiharbeiters.
«Diese Schilderungen zeigen, wie wichtig eine starke Arbeiterkammer und starke Gewerkschaften sind, wo sich Arbeitnehmer kostenlos und diskret Rat und Hilfe holen können», betont Nationalrätin Melanie Erasim. Und sie fordert die zuständigen Stellen auf, sich die Arbeitsbedingungen bei Amazon genau anzusehen und etwaige gesetzwidrige Praktiken abzustellen.
Und Erasim erinnert bei der Gelegenheit daran, dass man die heimische Wirtschaft am effektivsten dadurch stärken kann, indem man in den Weinviertler Betrieben einkauft, anstatt sich Waren aus irgendwo in der Welt zu bestellen. Erst recht dann, wenn sich internationale Unternehmen, die Millionengewinne einfahren, derart wenig um ihre Mitarbeiter kümmern.
Weiters ist klar, dass politische Rahmenbedingungen, wie sie unter der letzten Regierung geschaffen wurden (Stichworte 12-Stunden-Tag / 60-Stunden-Woche, Reform der Notstandshilfe usw.) von Großbetrieben bis ans Maximum ausgenützt werden. «Wenn nun ÖVP und NEOS fordern, die Arbeiterkammerumlage zu senken, tun sie dies wohl im Auftrag ihrer Großspender, um die einzige Institution, die an der Seite der Arbeitnehmer steht, zu schwächen und noch grauslichere Arbeitsbedingungen einführen zu können», sagt NR Melanie Erasim.